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Rumänien

Durch die Karpaten

Nach der vielen Fahrerei verbringen wir zwei ruhige Tage im Donaudelta. Es ist neblig & düster – wir chillen. 

Nachdem wir uns wieder etwas erholt haben, beschließen wir die Hauptstadt Buckarest unsicher zu machen. Leider herrscht aktuell ein Teil-Lockdown und es hat nichts offen – es ist kaum was los… 

Hier in der Nähe soll es Schlammvulkane geben, das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Schon beim Hinweg merken wir: der Schlamm ist zäh und klebrig – auf einmal haben wir Schuhe mit gefühlt 30cm Absatz. Eine Kombination aus Salzvorkommen, Tonablagerungen, Öl, Wasser und anderen Sedimenten verursachen hier dieses brodelnde Schauspiel. Eine atemberaubende Laune der Natur 🙂  

Wir fahren weiter durch das Land: kleinere “Fluss”-Durchquerungen, schlechte Straßen, keine Straßen, atemberaubende Straßen … an der Tagesordnung.  

Wir stellen Sylvie mitten im tiefsten Wald, zum Übernachten, ab. Nächsten Morgen kommen zwei Wanderer vorbei, der eine lacht beim Fenster herein, ich mache auf und er fragt ob wir auch zum Bären beobachten hier sind? “Bären? Hier gibt es Bären? oder Beeren?” Ich bekomme große Augen.   

“Ja hier gibt es jede Menge Bären – wie im Tierpark” erzählt er mir. “Sind diese gefährlich?” frage ich vorsichtig. “J….ai…n, naja, nein, wenn man sie in ruhe lässt – nicht” meint er lachend. Nach ein paar weiteren Worten gehen Sie auf Ihren Aussichtsplatz weiter. 

Nach einer Weile lässt mir die Sache keine Ruhe. Ich google und stelle fest: wir befinden uns wirklich in einem Gebiet mit starkem Bärenvorkommen. Ich packe meine Kamera zusammen und mache mich auf die Suche. So ein Bärenbild wär schon was, denk ich mir. Muss ich Angst haben? Bisschen Blauäugigkeit schadet nie. 😀 

Nach einer Weile finde ich die beiden Typen wieder, beide in Ihren Campingstühlen mit einem Bier in der Hand – offensichtlich auf Bären wartend. “Dampfplauderer”, denk ich mir und gehe weiter durch den Wald – ich will ein Bärenfoto. Nach einer gefühlten Ewigkeit, den Wald absuchend, komme ich erfolglos wieder zurück. 

Die beiden, offensichtlich schon etwas angeschwipst, winken mich zu Ihnen. Sie erzählen mir gefühlt 1000 Geschichten, von Bären, Füchsen, Wölfen, … auf einmal packt der eine einen FP3-“tschechen”-Böller aus und zündet Ihn. “Just in case” meint er lachend. Ich schüttle den Kopf. Er meint ich soll mich auch mal setzen und reicht mir eine kleine Mineralwasserflasche mit durchsichtiger Flüssigkeit. Ich schaue Ihn an: “Water?” –  “No Water”, kommt es lachend zurück. Ich nehme einen kräftigen Schluck – Fuck! Hust-hust. Mir verzieht es das Gesicht – so was scharfes hab ich schon lange nicht mehr erwischt. Meine Augen laufen. Noch einen und ich sehe nie wieder Bären. 😀 Er lacht (was sonst?) und gibt stolz sein Geheimnis frei: selbst gebrannter Zwetschgenschnaps, offenbar unverdünnt. 

Nach weiteren Geschichten zeigt er mir die Bilder von seinen letzten Bären- und Fuchsbegegnungen. Ich traue meinen Augen kaum: Bilderbuchreife Bilder eines… ähm vieler ausgewachsenen, ungefähr 2,5m großen, Braunbären. Auch Füchse, welche greifbar nah (1m) und völlig unerschrocken auf Ihn und sein Lockfutter zukommen – ein Video. Ich komme vor lauter staunen nicht klar. Doch kein Dampfplauderer. Wirkt sein Schnaps schon? Ja bestimmt auch. 🙂 Als ich mich verabschiede bekomme ich noch seinen Vorrat an Zwetschgenschnaps, mit dem Hinweis: “Immer genug trinken wenn es kalt ist, denn das wärmt. :D” geschenkt.

Ab diesem Zeitpunkt ging ich jedenfalls etwas vorsichtiger durch den Wald…

Rumänien ist bekannt für die Dracula-Geschichten und Transilvanien, also machen wir uns auf die Suche und erkunden einige Burgen, Schlösser, Kirchen … 

Kleinere Wanderungen durch die Karpaten stehen auch auf dem Plan, wir stellen fest: es gibt hier sehr viel Natur 🙂

Hier gibt es auch einen ganz besonderen Lostplace: Aufgrund der Absonderungen einer alten Kupfermiene versank hier ein Dorf im giftigen Schlamm – nur mehr das Dach eines Kirchtums ragt aus den Schlammmassen heraus. Recherchen ergaben: der Schlamm steigt jährlich um mehrere Dezimeter an.

Zu guter Letzt ließ sich noch ein altes Salzbergwerk besichtigen. Anfangs dachte ich, so ein Bergwerk zum Abschluss ist sicher ganz nett, aber es stellte sich heraus, dass dieses Bergwerk noch einmal ein richtiges Highlight wird. 

Hier wurden schon mehr als 38 Mio. Tonnen Salz abgebaut und die leeren Hallen dienen nun nicht nur zur Besichtigung sondern werden nun auch zur “Partylocation” genutzt. Knapp 120 Meter unter Tags (wir haben erst später gemerkt, dass es auch einen Lift gibt 😀 ) gibt es hier neben (Snack-)Bars auch Tischtennistische, Billiard, ein kleines Riesenrad, eine Konzerthalle, Minigolf, Bowlinganlagen, Spielplatz und sogar einen See in dem man Ruderboot fahren kann. Zudem soll der Aufenthalt in der salzigen Luft sehr gesund sein. Völlig abgespaced … 🙂 

Zahlen:  +18 Tage // +2420km