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Madeira

… der Atlantik lässt mich nicht los.

Ich bekomme eine Anfrage von meinem ehemaligen Atlantikskipper, ob ich denn Zeit und Lust hätte die angeschlagene Lady namens „Ocean Light“ von damals, als Co-Skipper, weiter ins Mittelmeer zu überführen. Die groben Schäden wurden beseitigt und der Katamaran ist wieder Seetüchtig gemacht worden. Ich habe genau 1,34 Sekunden überlegt, kurz das vorgesehene Zeitfenster gecheckt und sofort zugesagt. Nach der ganzen Skipperei im Mittelmeer mit Urlaubsgästen war ich auch wirklich schon wieder Atlantikreif. Damals hab ich mir eigentlich geschworen, das nie wieder zu machen, aber das ist irgendwie dasselbe wie mit dem Alkohol. Der Reiz vergeht nicht. Naja, etwas Abwechslung schadet doch nie: Wind, Wellen, Angeln, Schichtplan, Zwischenfälle, Schlafentzug, Abenteuer und coole Erlebnisse … ich hab schon wieder richtig Bock drauf.

Aber bevor es wirklich weitergeht auf Madeira bin ich noch mit meiner Family Segeln in Kroatien:

Wir starten mit einer legendären Nachtfahrt von Trogir aus Richtung Telascica Nationalpark.

Anfangs hatte ich etwas Angst, dass der Crew das etwas zu viel werden könnte, aber die Bedingungen waren perfekt. Also haben wir das durchgezogen – und das war auch gut so, obwohl die Nachtfahrt von allen außer Papa und mir verschlafen wurde, hat es Ihnen dennoch gefallen, weil wir dann einen gemütlichen onewaytrip zurück in die Heimatmarina Trogir machen konnten. Definitv ein Argument. Unterwegs hatten wir diverse Zwischenstopps: Silbersee, Kornaten, Skradin bei den Krka Wasserfällen, Primosten … Die Woche klang in aller Gemütlichkeit aus und abschließend gab es natürlich noch ein gutes Steak beim „Duga“ unserem Lieblingsrestaurant auf Ciovo.

Nach ein paar Tagen zu Hause ist es dann auch wirklich so weit, ab nach Madeira.

Eine Woche lang erkunde ich mit dem Mietwagen die Insel, gehe Wandern auf den Pico Ruivo und Pico Areeiro und auf weitere Erkundungstouren. Die Landschaft hier ist unglaublich. Man könnte hier viel länger bleiben – die Motive für die Kamera gehen nicht so schnell aus. Die Stadt Funchal hat mir auch sehr gefallen – wunderschön, sauber und Detailverliebt. Hier wurde auch gerade für das legendäre Blumenfest vorbereitet, aus Zeitgründen konnten wir dieses aber nicht besuchen. Es musste noch einiges für die Überfahrt erledigt werden.

Im Hafen lerne ich wieder neue Leute kennen, fast hätte ich als Crewmitglied auf der „Lady Blue bei einer Atlantiküberquerung im Rahmen der ARC+ (Atlantikrallye for Cruisers) zugesagt. Da sich das aber mit meinen weiteren Plänen nur sehr knapp ausgehen würde, habe ich beschlossen mir diesen Stress nicht anzutun. Nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr. 

Auf der „Ocean Light“ gab es noch einige Kleinigkeiten vorzubereiten. Nach dem ich den Generator (für Stromversorgung und Watermaker) wieder zum laufen gebracht habe (er sollte später aber sowieso wieder ausfallen – mehrmals) habe ich mich auch um den Einkauf und diverse andere Kleinigkeiten gekümmert.

Das Wetterfenster sollte auch nicht so schlecht passen, also Leinen los. Leider stellte sich heraus, dass der Wind permanent sehr ungünstig dreht und dann lange Zeit von da herkommt wo wir eigentlich hinwollen. Also Aufkreuzen und ein paar Tage extra am Atlantik. Lange Zeit mussten wir gen Norden segeln, um dann später die Nordwinde die uns nach Ost bringen zu erwischen. Dabei sind wir über 36h dem Ziel keine einzige Seemeile näher gekommen. Nerven behalten – Saillife.

In der dritten Nacht war es wieder etwas holpriger, der Wind etwas stärker und die Wellen etwas höher –  3m oder 3,5m, wir gegenan. In meiner Schicht gab es dann auch nochmal einen lauten Knall, ein flatterndes Großsegel und lose Leinen – die Reffleine war gerissen. Ich fixierte das wieder während die Wellen von vorne am Steuerstand überkamen. Ölzeug und Lifebelt sei Dank. Schlafen konnte ich dann nicht, die Wellen wurden immer höher und wir stampften durch jede Welle hindurch, der ganze Rumpf vibriert, verwindet sich in allen Richtungen, es knallt extrem laut und unter Schlafentzug bildet man sich dann schon mal ein, die eine oder andere Glasfaser brechen zu hören. Die Bilder unserer Sturmerlebnisse kommen mir unter.

Aber schon die nächsten Tage wird es ruhiger und wir segeln auch wieder in die richtige Richtung. Ab dann verging auch die Zeit wieder schneller und wir waren dreieinhalb weitere Tage später in Gibraltar.

Nach einer spannenden Nacht durch die Verkehrsstrassen fiel dann auch noch die Steuerbordmaschine aus. Kurz vom geplanten Zwischenziel. Mit nur einem Motor und ungünstigen Winden, gab es ein Spezialanlegemanöver mit Dinghyunterstützung in Cadiz. Eine ordentliche Adrenalinspritze – aber alles ging gut aus 🙂

Nachdem wir den Motor wieder instand setzen konnten, hatten wir noch ein passende Wettersituation abzuwarten. Der Rest der Überstellung der spanischen Küste entlang war frei von Zwischenfällen.

Zu guter letzt haben wir in Canet-en-Roussilon den Eigner des Bootes kennengelernt und über die weiteren Pläne des Bootes gesprochen. Möglicherweise folgen weitere Abenteuer auf der “Ocean Light” in 2022. 😉 

Nachtschicht:

Sunsetcompilation:

Zahlen:  +50 Tage // +1665 Sm  // +934 km backpacking // + 2362 Flugmeilen // +1 Land