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Serbien und Bosnien Tour

ungeplante Abenteuer

Gleich zu Beginn dieses Abenteuers muss ich leider schon wieder einen Zwischenfall vermelden: Bei der Rückreise unseres Schwedenabenteuers ist mir aufgefallen, dass Sylvie beim Schalten komische Geräusche von sich gibt. Zu Hause in der Fachwerkstatt wird mir mein Verdacht auf einen kaputten Synchronring bestätigt. So muss ich leider in den sauren Apfel beißen: Getriebeschaden – Eine teure Angelegenheit!

Nach dem Abbruch meines Fahrradabenteuers ans Schwarze Meer musste ich gleich wieder weg. Ich brauchte ein paar Tage für mich und wollte mit meinem vertrauten Heim wieder auf Abenteuerreise gehen. 

In gemütlichen Etappen bringt mich Sylvie über Ungarn und Kroatien weiter nach Serbien. In diesem Land im Zentrum der Balkanhalbinsel sollen wieder neue Abenteuer geschrieben werden. Hier war ich zuvor noch nicht, also beschloss ich dieses Land zu erkunden. Völlig planlos ging der Plan los.

 

Zu allererst erkunde ich die Stadt Novi Sad, unter anderem auch um mir eine Prepaid-SIM für Internet zu organisieren, da hier das EU-Roaming wegfällt. Hier wäre ich auch mit dem Fahrrad vorbeigekommen, ein bisschen traurig bin ich schon, dass das nicht so funktioniert hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. 

Es dauert nicht lange und mich verschlägt es wieder raus auf das Land. Fruska Gora Nationalpark ist das nächste Ziel. Viel Wald, schöne Landschaften und jede Menge Natur, aber ganz glücklich werde ich hier auch nicht – zu wenig Freizeitaktivitäten und schlechtes Wetter, aber hauptsächlich schlechtes Wetter. Also geht die Tour gleich wieder weiter, next Stop: Tara Nationalpark. Hier schaffe ich es tatsächlich etwas länger zu bleiben. Es ist absolut schön. Natur, Natur, Natur. Ich gehe viel wandern, treffe Einheimische und Reisende. Ich esse lokale Gerichte und erfahre einiges über dieses Land. Genial! 

 

 

 

 

 

 

 

Mittendrin erreicht mich eine Nachricht von Sunny direkt vom Jakobsweg. Sie hat seit Tagen starke Schmerzen an der Achillessehne und muss ihr Abenteuer leider auch abbrechen – sie wird die nächsten Tage zu mir nachkommen. Aufgrund der besseren Bus-Verbindungen setze ich meine Reise nach Bosnien fort, um da Sonja aufzugabeln. Ab hier werden wir wieder gemeinsam auf Abenteuersuche gehen. 🙂

In Sarajevo (bzw. in ganz Bosnien) gibt es auch wieder einige interessante Lost Places, bei denen man immer im Hinterkopf haben muss, dass hier im ganzen Land noch an die 200.000 Landmienen vermutet werden. Jährlich gibt es Unfälle. Deswegen bin ich ganz vorsichtig unterwegs. Aber eine alte olympische Rodelbahn ist sogar öffentlich ausgeschrieben und diese besuche ich natürlich sofort.

Danach sammle ich Sunny am Busbahnhof ein, wir sehen uns gemeinsam Sarajevo an und fahren weiter planlos durchs Land. Wie üblich sind wir gerne in Nationlaparks unterwegs.

Im Landesinneren navigiert uns GoogleMaps über sehr spannende Straßen durchs Gebirge. Straßen, die manchmal als Schotterwege enden und Schotterwege, die schon eher als Offroad-Pfade durchgehen. Einmal führt uns die Navigation durch einen immer schmaler werdenden Pfad. Die Verhältnisse werden immer schlechter und schlammiger, als wir plötzlich zwischen einigen Häusern rauskommen. Ich freue mich schon, dass wir endlich wieder bessere Straßen bekommen, aber genau hier fahre ich mich fest. Zwischen den Häusern. Ich stelle fest, die Häuser sind längst verlassen. Ich schaffe es kurz, noch ein paar Meter zurückzufahren und versuche alles rückwärts wieder rauszufahren, doch die Straße ist sehr eng. In einer kleinen Kurve bleibe ich wieder stecken und rutsche sogar ein paar Zentimeter den Abhang runter. Schockmoment! Wir müssen überlegen, wie wir hier wieder rauskommen, ohne den Abhang weiter runterzurutschen. Denn: jedes Mal, wenn ich etwas Gas gebe und die Reifen durchdrehen, beweist sich die Schwerkraft als mächtiger gegenüber der Reibung meiner Reifen. Mein Herz pocht bei jedem Versuch immer wieder auf. Die Vorspannung und die gleichzeitige Sicherung mit meinem 30 m langem Dynema-Seil zu einem Baum – dazwischen der High-Jack Wagenheber als Seilwinde verwendet – bringt Sicherheit. Mit weiterem Equipment, viel Geduld, und ein paar Tricks, wie z.B. Luft ablassen, schaffe ich es nach ungefähr 1,5 Stunden aus der angespannten Situation. Puh. Geschafft. An diesem Tag kommen wir nicht mehr weit. Wir sind erschöpft.

Immerhin Sunny hat ein wenig die schöne Aussicht beim Festfahren genossen

Wir fahren im Sutjeska Nationalpark eine spannende Schotterstraße den Berg hoch. Ich bin mittlerweile schon sehr vorsichtig geworden, trotzdem sitzen wir des Öfteren auf. Gott sei Dank habe ich eine zusätzliche Schutzplatte montiert. Nach fast zwei Stunden mit durchschnittlich 10 km/h, den schlechten Straßenbedingungen sei Dank, schaffen wir es auf den Berg hinauf. Dafür hat sich diese Prozedur aber gelohnt, wir erleben ein extrem geniales Bergpanorama. Hier würde ich wieder hochfahren. Allerdings ist der Wind nachts so stark, dass wir einfach nicht richtig schlafen können. Am nächsten Tag genießen wir die Aussicht und die Natur, bis wir wieder den Weg ins Tal auf uns nehmen. 

Die Tour setzt sich nun von unserem südlichsten Punkt Bosniens nahe der kroatischen Grenze weiter in Richtung Mostar fort, wo wir nur einen kurzen Stopp einlegen. Auf dem Weg dahin besuchen wir auch noch das Dervish House, ein ehemaliges muslimisches Kloster. Zur Besichtigung müssen wir die Schuhe ausziehen und unsere Beine bedecken. Sunny muss sogar ein Kopftuch tragen – es steht ihr, wie ich finde.

Anschließend steht der Besuch eines weiteren Nationalparks auf dem Plan: dem Blidinje Naturepark. Die Landschaft hier ist ganz anders als bisher in Bosnien, sie erinnert uns fast ein wenig an Norwegen. Hohe Berge, weite Ebenen, Kiefern und ein schneidend kalter Wind. Wir bleiben nur eine Nacht, doch der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Weiter geht es zu einer alten Holzhütte am Berg, in der wir zwei Nächte bleiben, um etwas Abwechslung zu haben. Dort wird mit einem Ofen geheizt, den wir von früh morgens bis spät abends befeuern. Neben der Notwendigkeit finden wir auch Spaß daran und so ist der Holzverrat am Ende unseres Aufenthalts aufgebraucht. Der Ausblick von der Hütte ist überwältigend. 

Über Travnik treten wir in aller Gemütlichkeit die Rückreise in Richtung Österreich an. 

Reiseburnout : Man merkt es hier schon an der teilweise nicht vorhandenen Spannung der Texte. Es herrscht aktuell nicht die beste Stimmung an Bord von Sylvie. Die Reisemotivation hat stark nachgelassen. Dazu kommen Meinungsverschiedenheiten, schlechtes Wetter und das Leben auf 8qm.

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Zahlen:  +33 Tage // + 4065 gefahrene km // + 1 Land // + 2 Zwischenfälle